König Friedrich II. von Preußen in Kerspleben

Nach den schweren Niederlagen im 1. Jahr des 7-jährigen Krieges, am 18.06.1757 gegen das Österreichische Heer bei Kolin und am 30.08.1757 gegen das Russische Heer bei Großjägersdorf, trat das Preußische Heer mit seinem Feldherrn Friedrich II. seinen Marsch gegen die Französische Armee und die mit ihr verbündete Reichsarmee nach Thüringen an.
Über Naumburg, Erfurt, Gotha bezog die Armee im Raum Erfurt Quartier. Der König selbst wohnte mit seinem Stab im altehrwürdigen Pfarrhaus in Kerspleben, wie das eine Steintafel an der Hauswand rechts des pyramidenförmigen Sandsteinaufganges anzeigt.

Hier wohnte
FIEDRICH DER GROSSE
vom 17.09.1757 bis 27.09.1757

Während des Aufenthaltes plagten den König Depressionen über den Fortgang und die Wirkungen des Krieges, denn an allen Punkten war sein Land von Feinden bedroht. In erlittenen Niederlagen war das Heer zusammengeschmolzen, und Mutlosigkeit machte sich breit.
In engem Zusammenhang mit diesen historischen Daten steht die Handschrift in der Heilig-Geist-Kirche zu Kerspleben, die in der linken Seitenloge hinter einer gerahmten Glasscheibe (14 x 20 cm) zu sehen ist.  Die mit Bleistift gezogene Schrift ist relativ noch gut lesbar und bezeugt:
 

1757
Corporal Thiemann
von seiner königlichen Hoheit
Markgraf Carl Regiment ist
Honie Iln deplom
hier zur Gottes Kirche gegangen.

(frz.: zu Tische des Herrn = Abendmahl)

Das Regiment Markgraf Carl war das 19. preußische Infanterieregiment (zu Fuß), dessen Regimentschef von 1731 bis zu seinem Tode 1762 Oberst Carl Friedrich Albrecht, Markgraf von Brandenburg-Schwedt und später General der Infanterie (gest. 22.06.1762) war.
Markgraf Carl war ein Onkel Friedrich II., geschätzt vom König wegen seine Zuverlässigkeit, Tapferkeit und Sorgfalt, auch Herrenmeister des Johaniter-Ordens. Deshalb trug das Regiment auf Fahnen und Uniformen das achtspitzige Johaniterkreuz als Feldzeichen.
Es ist berechtigt anzunehmen, dass der König zu seiner Begleitung und zu seinem Schutz Markgraf Carl ausgewählt hatte und auch zumindest Teile des 19. Infanterieregiments diese Aufgaben übernahmen.
Gegen Ende September / Anfang Oktober wandte sich das preußische Heer nach Norden und in Richtung Leipzig. Der Aufenthalt des Königs endet am 27.09.1757, nach 10 Tagen Rast in Kerspleben.

Das Infanterieregiment Nr. 19 kam nach dem Aufenthalt in Kerspleben zum erfolgreichen Einsatz. Am 05.11.1757 siegte Friedrich über Franzosen und Reichstruppen bei Roßbach/Merseburg gegen eine Übermacht. Auch durch den Sieg am 05.12.1757 über die Österreicher bei Leuthen verbessert sich die militärische Lage und eine drohende Niederlage kann abgewendet werden.
Auf Grund des Aufenthaltes Friedrich II. in Kerspleben hat mit Sicherheit der alte Gasthof an der Ecke Schenktor/Erfurter Straße (vormals Besitzer Hage) den Namen "Hohenzollern" angenommen. Denn diesem deutschen Herrschergeschlecht entstammt Friedrich II. König von Preußen.

>>> Infos und weiterführende Hinweise finden Sie hier: http://www.preussenchronik.de


© Heimat- und Geschichtsverein Kerspleben e.V. 02/2002, aktualisiert 08.06.2007